Machine-to-Machine Communications – vom Hype zu Realität


Von Martin Gutberlet, Senior Partner and M2M Expert, Fujitsu Technology Solutions

Martin GutberletMachine-to-Machine Communications – M2M – ein Begriff, der seit langem für einen potentiellen Milliardenmarkt steht, der viele Phantasien beflügelt, aber leider bislang eher Hype als Realität ist. Marktforscher und Anbieter überschlagen sich mit beeindruckenden Vorhersagen. Ericsson erwartet zirka 50 Milliarden M2M-Module. Laut ABI Research gab es 2012 rund 1.3 Milliarden drahtlose M2M-Module. Bis 2020 erwarten die Marktforscher 12.5 Milliarden-Module. Die Analysten von Markets and Markets erwarten, dass der Gesamtmarkt für M2M in 2017 85.96 Milliarden USD beträgt; ein 5-Jahres-Wachstum von 26,1% (CAGR 2012-2017).

Treiber des M2M-Markts sind neben stetig steigender Mobilfunkpenetration (der größte Teil des Wachstums wird mobil erwartet)

  • Cloud Computing
  • Big Data und Analyse
  • Mobile Enterprise Strategien.

Die Anbieterseite kann vereinfacht in folgende Teilnehmer kategorisiert werden:

1. M2M-Modulhersteller – Hardware
2. Plattformanbieter – Bindeglied zwischen Hardware und IT-Integration
3. Mobilfunknetzbetreiber – Mobiler Datenverkehr, Roaming und Abrechnung
4. Business Model Developer und Integratoren – Innovation von Geschäftsmodellen und Softwarelösungen für Anwender

Die M2M-Modulhersteller – Hightech, hoch komplex, hoher Preis
Der Markt der M2M-Modulhersteller ist stark fragmentiert. Neben internationalen Konzernen, die Mobilfunk-M2M-Module anbieten, gibt es eine Vielzahl sehr kleiner Unternehmen, die hochspezialisiert Technologien von Festnetz bis Mobilfunk mit Integration von GPS für Ortsinformationen oder Sensornetzwerken herstellen. Häufig werden diese Module eigens für Anwender in Kleinserien hergestellt. Außerdem sind diese Module kaum in hoher Stückzahl produzierbar und haben einen hohen funktionellen Komplexitätsgrad sowie Preis.

Die Lösung: Vergleichbar zu der GSM-A-Initiative 2005, Handys unter 30 USD pro Stück zu produzieren, sollten M2M-Module drastisch im Preis reduziert werden und mit hoch standardisierten Funktionen und offenen Schnittstellen zur Verfügung gestellt werden.


Die Plattformanbieter – stark fragmentiert, kaum Marktdurchdringung
Ähnlich wie bei den Modulherstellern gibt es eine Vielzahl von M2M-Plattform-Anbietern mit unterschiedlichen Schwerpunkten wie M2M-Cloud, Telematik oder Security, die einen sehr fragmentierten Markt bilden.

Die Lösung: Standardisierte Lösungen basierend auf wenigen internationalen Plattformen, vergleichbar mit den Betriebssystemen von Smartphones.

Die Mobilfunknetzbetreiber – Fokus auf SIM-Karten-Verkauf anstatt Mehrwert durch M2M
Mobilfunknetzbetreiber erhoffen sich die nächste Welle durch M2M, nach den Erfolgen GSM, SMS und mobilem Datenverkehr. Leider sind gerade die meisten europäischen Mobilfunker unzureichend für M2M aufgestellt, da es sich um ein integriertes Lösungsgeschäft handelt. Hier fehlt Kompetenz, aber auch teilweise der Wille, sich entsprechend aufzustellen – einer der Hauptgründe, warum der M2M-Markt in Europa sich so schleppend entwickelt.

Die Lösung: Neben der Investition in hochverfügbare Mobilfunknetze, sollten die Mobilfunker verstärkt Partnerschaften mit Systemintegratoren, Plattformanbietern und Modulherstellern eingehen und sich im Markt als Generalunternehmer positionieren oder es den anderen ermöglichen. Ein Beispiel für erfolgreiche M2M-Positionierung ist AT&T in den USA durch Partnerschaften mit General Electric oder Tesla.

Business Model Developer und Integratoren – Notwendig, aber kaum verfügbar
M2M verändert die Welt. Ja, aber wie schaffen es die Unternehmen diese Veränderung des eigenen Geschäftsmodells zu verstehen und entsprechend zu reagieren? Hier sind Kompetenzen von Experten mit Prozesskenntnis und Unternehmensstrategen gefragt. Leider sind solche Teams im Markt so gut wie nicht verfügbar. 

Die Lösung: Beratungshäuser und Systemintegratoren sollten sogenannte Value Engineering-Teams aufbauen, die Unternehmen begleiten, den M2M-Business-Case zu berechnen und umzusetzen.

Fazit und Plädoyer für M2M
Abschließend sei erwähnt, dass viele Unternehmen eine unzureichende mobile Strategie haben. Die Einführung von Tablets und Smartphones war der erste Schritt, aber nun geht es um die Veränderung der Geschäftsprozesse und gegebenenfalls des gesamten unternehmerischen Selbstzwecks. Deshalb plädiere ich für mehr Mut in den Unternehmen, bessere Angebote der Anbieterseite und einen neuen Begriff, der die Wertschöpfung durch M2M besser beschreibt, wie Internet of Things (IoT) oder Industrie 4.0.

M2M Alliance-JahrbuchFujitsu Technology Solutions
M2M Alliance Jahrbuch 13/14

 

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