Kommentar: M2M als Erfolgsfaktor für die Industrie 4.0 und das Internet der Dinge


Von Eric Schneider, 1. Vorsitzender, M2M Alliance

M2M Alliance_Eric Schneider_150Im Jahr 2000 verkündete Ericsson seine Vision von 50 Milliarden vernetzen Geräten bis 2020 – und wurde dafür oftmals belächelt. Mehr als ein Jahrzehnt später stellt sich die Frage, was aus der Vision geworden ist. Wie sieht der M2M-Markt aus heutiger Sicht aus und wie wird er sich weiter entwickeln? In unserem diesjährigen Jahrbuch finden Sie einige Antworten, die den Weg von der Machine-to-Machine-Kommunikation hin zum Internet of Things (IoT) widerspiegelt.

Vorab lässt sich sagen, dass die Branche weiterhin hohes Wachstumspotenzial sieht. Eine Umfrage der M2M Alliance bestätigt dieses Bild. Im Vorfeld des diesjährigen M2M Summits hatten wir eine weite Bandbreite an Experten und Entscheidern kontaktiert und nach ihren Prognosen, Unternehmensumsätzen, Wachstumsraten und Bedürfnissen bezüglich M2M befragt. Demnach erwarten über 95 Prozent der befragten Unternehmen ein Wachstum für ihren M2M-Bereich – rund ein Viertel geht sogar von Wachstumsraten von über 25 Prozent aus. Mehr als die Hälfte der Unternehmen versprechen sich von M2M-Lösungen die Erschließung neuer Geschäftsfelder und eine Differenzierung vom Mitbewerber. Rund 40 Prozent der Befragten erwarten darüber hinaus eine Reduktion von Kosten beziehungsweise eine Steigerung ihrer Produktivität. Bereits jedes zweite Unternehmen nutzt M2M, während sich lediglich zwei Prozent gegen den Einsatz von M2M-Lösungen entschieden haben. Alle anderen Unternehmen sind in der Implementierungs- oder Planungsphase. Darüber hinaus lässt sich ganz klar der Trend erkennen, dass sich die Begrifflichkeit ändert. Sprachen wir bisher von M2M, so wird nun der Begriff Internet of Things (IoT) immer häufiger benutzt, um die Möglichkeiten aufzuzeigen.

Das alles sind durchaus positive Ergebnisse und Trends. Jedoch gibt es dennoch durchaus unterschiedliche Sichtweisen auf das Thema M2M. Schaut man genau hin, wird klar, dass die M2M-Lösungsanbieter bei aller Euphorie oft den Endkunden vergessen. Während die Lösungsanbieter von bester Vernetzung, hoher Werthaltigkeit oder zahlreichen Leistungsmerkmalen sprechen, zählen für den Endkunden häufig andere Dinge. Er möchte einfach beherrschbare Lösungen haben. Oftmals empfindet er die Lösungen allerdings als viel zu komplex und schwer beherrschbar.

Fest steht: Diese unterschiedlichen Interessen und das damit verbundene Empfinden sind nicht leicht zu vereinen. Klar ist aber auch, dass der Use Case in den Vordergrund der Betrachtung und der Bewertung rücken muss – und nicht die Technologie. Die Technologie ist lediglich das Vehikel.

Die Technik, die Applikationen und die entsprechende Integration sind in vielen M2M-Bereichen mittlerweile weit entwickelt und sogar zu guten Konditionen erhältlich. Das Problem ist jedoch, dass es sich häufig immer noch um prohibitive Lösungen handelt, die individuell angepasst werden müssen. Vernünftige Standards und einheitliche Schnittstellen sind deshalb ein weiterer Punkt, der diskutiert werden muss. Sinnvolle Standards müssen so formuliert sein, dass sie nicht einschränken oder weitere Insellösungen bilden. Was wir allerdings nicht benötigen, sind übertriebene Standardisierung auf Biegen und Brechen. Auch hier müssen wir uns an den Bedürfnissen des Endkunden orientieren und nicht daran, was für die jeweilige technische Lösung das Beste ist. Die Unternehmen sind gut beraten, sich in die Lage des Endverbrauchers zu versetzen. Wie oft haben wir uns als Kunde selbst darüber geärgert, wenn die prinzipiell gleichen Produkte von verschiedenen Herstellern nicht kompatibel waren, obwohl sie sich ideal ergänzen würden. Nur offene Standards – hierzu gehören auch einheitliche Schnittstellen – motivieren neue Innovatoren, sich selbst einzubringen und ein gemeinsames Ziel zu verfolgen.

Neben der Standardisierung und der der staatlichen und europäischen Regulierung haben wir noch das große Feld der Datensicherheit. Hier hat sich die Regierung bzw. Gesetzgebung in der nahen Vergangenheit nicht mit Ruhm bekleckert und klar gezeigt, dass sie leichtfertig mit eigenen Daten umgeht und wenig bis keine Kompetenz hat. Wenn etwas passiert, dann nur zur Schadensbegrenzung. Die Industrie hingegen hat sich umgehend auf die Herausforderungen eingestellt und bietet neue Möglichkeiten des Datenschutzes an.


Es tut sich also etwas. Und das gilt auch für die M2M Alliance. In den letzten zwölf Monaten wurde viel bewegt. Die M2M Alliance hat mit dem Aufbau eines Hochschulnetzwerks begonnen, um die Zusammenarbeit zwischen Forschung und Industrie zu fördern und dadurch die Weiterentwicklung von M2M-Lösungen weiter voranzutreiben. Darüber hinaus sind wir gleich mehrere Kooperationen mit anderen Verbänden und Organisationen wie der Eclipse Foundation, dem VATM, dem KVD, der M2M Zone und Wavefront eingegangen, um möglichst viele Parteien und Branchen an einen Tisch zu bekommen. Je mehr Parteien dasselbe Verständnis haben, desto mehr werden wir erreichen.

M2M Alliance Jahrbuch 13/14

M2M Alliance Jahrbuch 13/14

Dies gilt insbesondere für M2M als elementarer Baustein für das Internet of Things. Das IoT verknüpft eindeutig identifizierbare physische Objekte – durch die Adressierung über IPv6 – anhand einer Internet-ähnlichen Struktur. „Intelligente Geräte“ werden so immer weiter Einzug in unseren Alltag erhalten und ohne unser großes Zutun miteinander kommunizieren. Bislang noch nicht realisierbare Lösungen könnten schon bald Realität sein. Durch die vernetzte Steuerung von Maschinen lassen sich etwa wichtige Ressourcen und damit die Umwelt ebenso wie der Geldbeutel schonen. Der Komfort und die Sicherheit von Millionen von Menschen werden mit Hilfe des IoT ebenfalls erhöht werden.

50 Milliarden vernetzte Geräte bis 2020 sind also auch aus heutiger Sicht alles andere als utopische Fantasien. Im Gegenteil: Im Vergleich zu dem, was noch kommen wird, stehen wir trotz aller Erfolge immer noch am Anfang einer Entwicklung. Dass M2M unseren Alltag weiter verändern wird, ist kein Wunschdenken, sondern Tatsache. Um das volle Potenzial von M2M ausnutzen zu können, sind jedoch noch mehr Mut und Pioniergeist gefragt. Entsprechende Anregungen, Expertenkommentare, neue Denkansätze und Informationen zu bereits umgesetzten Projekten finden Sie in unserem Jahrbuch.

M2M Alliance Jahrbuch 13/14

 

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