Kommentar: M2M und Industrie 4.0 – industrielle Revolution für Deutschland


Von Jürgen Grützner, Managing Director, VATM

Juergen Gruetzner_ VATM_150Etwa um 1870 verwendeten Großschlachtereien in Chicago und Cincinnati erste Formen moderner Fließbandproduktion. Nun steht die vierte Stufe der industriellen Revolution – die Fusion von Internettechnologie und industrieller Produktion – an. Breitband, M2M-Konnektivität und die Cloud werden alle Industrien und unsere Gesellschaft nachhaltig transformieren. E-Health und E-Call sind erste Nutzungsbeispiele. Eine Energiewende ist ohne M2M undenkbar. Produkte werden ihre Herstellung, Distribution und Abrechnung selbst steuern.

Industrie 4.0, M2M und Internet der Dinge haben einen gemeinsamen Hintergrund: Die einzelnen Komponenten werden immer kleiner, lassen sich besser vernetzen und interagieren immer besser miteinander, Hardwarekosten sinken. Entscheidend sind auch die breite Verfügbarkeit von drahtloser Kommunikation und der Ausbau von Breitbandnetzen. Daher sind auch die richtigen politischen, regulatorischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für einen Erfolg der Industrie 4.0 unabdingbar.

Die Industrie in Deutschland trägt immer noch ca. 22 Prozent zur Bruttowertschöpfung bei (vgl. Destatis 2012). Um mit der industriellen Zukunft Schritt halten zu können, muss hierzulande auf Flexibilität und Individualität gesetzt werden. Industrie 4.0 ermöglicht Einzelanfertigung zu Preisen von Massenwaren. Steigende Entwicklungsgeschwindigkeit – bei gleichzeitig sinkenden Entwicklungskosten – verbessert Wirtschaftlichkeit und Attraktivität.

Der Gesamtumsatz im M2M-Bereich beträgt derzeit – laut einer jüngeren Vodafone-Studie – ca. 21 Milliarden Euro weltweit. Es werden Wachstumsraten von jährlich etwa 20 bis 25 Prozent erwartet (vgl. Vodafone-Studie „The M2M adoption barometer 2013“).

Dennoch sind Industrie 4.0, M2M und Internet der Dinge keine Selbstläufer. Die Erfahrung zeigt: Die Migration dauert, die Umstellung ist in der Praxis komplexer durch das Zusammenspiel mehrerer Marktteilnehmer. Aktuell vermag auch noch niemand ernsthaft zu beziffern, was ein „Totalumbau“ der Wirtschaft kosten würde.


Es fehlt an einheitlichen Übertragungsstandards der drahtlosen Netze im Nahbereich. Weltweit sind die Regeln zu Dateneigentum und -schutz sehr uneinheitlich. Auch müssen in selbstverwaltenden Systemen Patentrechte sowie Zuordnungen von Schadensursachen und Abgrenzung von Verantwortungssphären geklärt werden. Noch fehlen einheitliche Architekturen, Plattformen und Schnittstellen. Dies birgt große Herausforderung aber auch Potenziale für deutsche Unternehmen.

Industrie 4.0 – strukturelle Voraussetzungen
Für die Verwirklichung der Ziele der Bundesregierung bezüglich „Industrie 4.0“ sind ITK -basierte Lösungen ein fundamentaler Bestandteil. Bestehende Marktstrukturen, Wertschöpfungsketten und Arbeitsplatzwelten werden sich völlig wandeln. Die Politik muss sich frühzeitig um Rahmenbedingungen kümmern, die die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands verbessern. Vor allem auch die sozialen Veränderungen, Arbeitsplatzgestaltung und Arbeitsrecht müssen in die Überlegungen schnellstmöglich einbezogen werden, um die erforderliche breite Akzeptanz sicher zu stellen.

Industrie 4.0, M2M und Internet der Dinge benötigen modernste Kommunikationsinfrastruktur. Daher tritt der VATM nachdrücklich hierfür ein. Der Breitbandausbau muss höchste Priorität behalten. Wir benötigen investitionsfördernde Regulierung und investitionsfördernde Frequenzpolitik. Das Thema Netzneutralität erfordert besondere Umsicht. Denn für die erfolgreiche Vernetzung der Industrie 4.0 sind differenzierte Lösungen unerlässlich, die hinsichtlich Qualität, Priorisierung und Managed Services erheblichen gestalterischen Spielraum schaffen.

VATM

M2M Alliance Jahrbuch 13/14

 

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