Industrie 4.0 – von der Vision zur Umsetzung mit Normen und Standards


Von Filiz Elmas, Innovation Manager, DIN German Institute for Standardization

Filiz ElmasDie Produktion und mit ihr der gesamte industrielle Sektor stehen vor einem einschneidenden Umbruch. Der flächendeckende Einzug der Informations- und Kommunikationstechnologie ermöglicht die neuartige Vernetzung zu einem Internet der Dinge, Dienste und Daten und zieht weitreichende Veränderungen in den Bereichen Technologie, Wissenschaft und Arbeitsorganisation nach sich.

Eine derartige Verschmelzung der virtuellen Welten mit der realen Fertigung wird mit dem Begriff Industrie 4.0 umschrieben. Sie propagiert eine neue Produktionsumgebung mit kürzeren Produktzyklen, einer steigenden Produktvarianz bei zunehmender Produktindividualisierung sowie die Fähigkeit, schnell und flexibel auf Kundenanforderungen zu reagieren. Autonome Objekte werden eine dezentrale Steuerung und flexible Gestaltung von Prozessen hervorbringen und damit neue Formen kundenintegrierter Geschäftsprozesse ermöglichen.

Das Internet der Dinge ist in Deutschland keine Vision mehr. Gelingt es Deutschland, sich als weltweit führender Standort für Industrie 4.0 zu behaupten, wird es seine Stellung als führende Produktionsnation, insbesondere in den Branchen Maschinen- und Anlagenbau, Elektrotechnik und Automobilbau sichern.

Für den Erfolg des Zukunftsprojektes Industrie 4.0 ist die Normung und Standardisierung von zentraler Bedeutung und die Beteiligung des DIN (Deutsches Institut für Normung e. V.) als nationale Normungsorganisation unabdingbar. Laut einer Umfrage der Verbändeplattform Industrie 4.0, die von den Industrieverbänden BITKOM, VDMA und ZVEI organisiert wird, stellt die Standardisierung die größte Herausforderung bei der Umsetzung von Industrie 4.0 dar. Die neuartige Form der Vernetzung erfordert eine nie dagewesene Integration der Systeme über Domänen- und Hierarchiegrenzen hinweg. Dies lässt sich nur auf der Grundlage konsensbasierter Normen und Standards realisieren. Diese schaffen eine sichere Grundlage für die technische Beschaffung, unterstützen die Kommunikation durch einheitliche Begriffe und Konzepte und stellen die Interoperabilität, Praxistauglichkeit und Marktrelevanz sicher.

Um die derzeitigen Aktivitäten von Industrie, Forschung und Politik möglichst bedarfsgerecht und zielgerichtet zu unterstützen, setzt sich das DIN intensiv mit dem Thema Industrie 4.0 auseinander. Ziel der Aktivitäten des DIN und seiner Gremien ist die Schaffung einer Plattform, welche eine effektive Zusammenarbeit der verschiedenen Interessenskreise gewährleistet.


Für die Koordinierung der Aufgaben in der Normung und Standardisierung werden die notwendigen Strukturen im DIN aufgebaut und ein entsprechender Lenkungskreis gemeinsam mit der DKE (Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik im DIN und VDE) etabliert. Ziel des Lenkungskreises ist die Realisierung einer frühzeitigen gremien- und organisationsübergreifenden Abstimmung, Bündelung und Koordinierung der verschiedenen Fachkreise. Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf die Einbindung aller betroffenen Parteien gelegt, um die Standardisierung nicht einigen wenigen Playern zu überlassen.

Zur Strukturierung des Themenfeldes wird darüber hinaus eine Normungs-Roadmap erarbeitet, deren Veröffentlichung zum Ende des Jahres 2013 vorgesehen ist. Neben der Darstellung des aktuellen Standes in der Normung und Standardisierung und einer Übersicht aller relevanten Normen und Standards enthält sie vor allem konkrete Handlungsempfehlungen und skizziert die Normungsbedarfe in den Themenbereichen der Industrie 4.0. Mit der Konkretisierung der Themenfelder wird eine Fortschreibung und Aktualisierung der Normungs-Roadmap erfolgen.

M2M Alliance-JahrbuchDIN German Institute for Standardization
M2M Alliance Jahrbuch 13/14

 

 

 

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