5 Fragen an … Martin Rosell, Geschäftsführer, WirelessCar


Martin Rosell_Wireless CarInternet im Auto, kommunizierende Ampeln, autonomes Fahren – das „Connected Car“ ist auf dem Vormarsch. Die großen Autobauer tüfteln, was das Zeug hält. Aber auch Zulieferer und Dienstleister tun das. Wir haben uns mit Martin Rosell, Geschäftsführer bei WirelessCar, einem Telematic Service Provider aus dem Automotive-Bereich unterhalten.

M2M Magazin: Herr Rosell, das „Connected Car“ ist auf dem Vormarsch. Wie zufrieden sind Sie mit dem aktuellen Entwicklungsstand der Fahrzeugvernetzung?
Martin Rosell: Derzeit ist endlich ein Aufschwung im Markt zu verzeichnen. Es hat gedauert, bis sich unsere Bemühungen in konkreten Zahlen niederschlugen: Zwischen der Entscheidung eines OEMs, eine Telematik-Lösung künftig zu nutzen und der tatsächlichen Verfügbarkeit der Fahrzeuge liegen mehrere Jahre. Bis dann eine kritische Masse an vernetzten Autos unterwegs ist, vergehen weitere Jahre. Gesetzliche Regelungen in Europa, den USA oder Brasilien helfen allerdings dabei, die Services in die Märkte zu bringen.

M2M Magazin: Welche aktuellen Entwicklungen sind weltweit zu beobachten?
Martin Rosell: Das ist von Land zu Land verschieden. Die USA etwa sind der reifste Markt in Bezug auf Telematik: Mehrere Millionen vernetzte Fahrzeuge sind schon im Umlauf und nur eine Handvoll OEMs und Telematik-Spezialisten teilen den Markt unter sich auf. Zusätzlich erhalten sie Konkurrenz von den Mobilfunkanbietern. Sie alle beschäftigen sich mit der Entwicklung neuer Infotainment-Funktionen – die Endkunden fordern das ein. Ein Problem für uns sind dabei die Sicherheitsbedenken des Gesetzgebers. Die Regierung befürchtet, Fahrer könnten sich ablenken lassen und so zur Gefahr werden. Unternehmen müssen hier neue Wege finden, die Services so zu integrieren, dass sie den Fahrer so wenig wie möglich stören.
Russland ist noch nicht ganz soweit, die Entwicklung geht jedoch mit zügigen Schritten voran: Die ‚Emergency Road Assistance’, die auf dem ‚Globalen Sattelitennavigationssystem’ basiert, ist vergleichbar mit dem E-Call und liefert bei Unfällen Positionsdaten und Informationen zu Fahrzeugschäden an ein Call Center. Ist der Notruf verifiziert, leiten die Mitarbeiter ihn an einen Notarzt weiter.
Länder wie Brasilien gehen noch weiter: Ab diesem Jahr sollen die hohen Diebstahlraten mit Hilfe von vernetzten Fahrzeugen in den Griff bekommen werden. Genauer wurde dort eine spezielle Telematik-Funktion entwickelt, mit der sich Autos aus der Ferne nicht nur orten, sondern auch stoppen lassen. Bereits Anfang dieses Jahres soll ein beträchtlicher Teil aller neuen PKW, Vans, Transportfahrzeuge und sonstiger Nutzfahrzeuge für den brasilianischen Markt mit entsprechenden Geräten zur Nachverfolgung ausgestattet werden.

M2M Magazin: Welche Unterschiede zu Europa gibt es in Ländern wie den USA oder China?
Martin Rosell: Im Gegensatz zu Europa und den USA stehen uns in China komplexe Marktstrukturen und strenge Regulierungen gegenüber. Diese zielen hauptsächlich darauf ab, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit ausländische Firmen vor Ort Fuß fassen können. Ist ein Unternehmen aber erst einmal im Markt etabliert, hat es eine aufgeschlossene Käuferschaft vor sich: Die chinesischen Autobesitzer sind im Vergleich zu Europäern oder US-Amerikanern neuen Connected Services gegenüber wesentlich positiver eingestellt. Insbesondere Leistungen wie sogenannte Concierge Calls, bei denen Callcenter-Mitarbeiter telefonisch Auskunft geben, sind sehr beliebt.


M2M Magazin: Spielen Apps und Abonnements aus Ihrer Sicht künftig eine bedeutendere Rolle?
Martin Rosell: Apps werden zwar nicht völlig in der Bedeutungslosigkeit verschwinden, doch eine zentrale Stellung in der Geschäftsstrategie von OEMs ist genauso wenig zu erwarten. Um erfolgreich zu sein, müsste eine App Nutzen stiften, während sie im Hintergrund arbeitet und den Fahrer nicht ablenkt. Zum Vergleich: Auch für Smartphone-Apps verlangen die wenigsten Entwickler hohe Preise.

M2M Magazin: Wo geht die Reise in fünf bis 20 Jahren hin und mit welcher Strategie begegnet WirelessCar diesen Veränderungen?
Martin Rosell: Wir schätzen, dass in fünf Jahren bis zu 30 Prozent aller Fahrzeuge vernetzt sein werden. Es existieren Analystenprognosen, die wesentlich höhere Werte ansetzen, doch auch so wird die Masse an Fahrzeugen beträchtlich sein. Das steigert nicht nur die Zahl der verkauften Vehikel, sondern auch das Aftermarket-Potential. Schon bald wird das Verkaufen zusätzlicher Services an Fahrzeugbesitzer eines der wichtigsten Anliegen der OEMs und Händler sein. WirelessCar liefert mit NGTP das technologische Framework, auf dessen Basis die Vernetzung von Fahrzeugen und die Einbindung von solchen Dienstleistungen möglich wird. Schon heute vernetzen wir Millionen von Fahrzeugen und arbeiten mit diversen namhaften OEMs wie BMW oder Audi zusammen.

WirelessCar

 

 

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