M2M: Moderne Kommunikationstechnologie verhindert HIV-Infektionen


Kliniken, denen es an ausreichender Labortechnik mangelt: In weiten Teilen Afrikas ist das leider immer noch die Regel. Für die rechtzeitige Diagnose von Krankheiten ist dieser Zustand katastrophal. Ein innovatives Projekt zur HIV-Früherkennung zeigt einen Ausweg aus dieser Problematik. Moderne Kommunikationstechnologien helfen, HIV-Testergebnisse bei Schwangeren drahtlos und schnell an rund 400 Kliniken in Mosambik zu übermitteln.

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Klinik in Mosambik; Quelle: Sequoia Technology

Ungefähr jeder sechste Einwohner Mosambiks im Alter zwischen 15 und 49 ist HIV-positiv, das entspricht rund 1,5 Millionen Menschen. Mehr als 500.000 Kinder haben bisher ihre Mütter oder beide Elternteile durch AIDS verloren. Jedes Jahr werden rund 35.000 Babys HIV-positiv geboren. Nahezu die Hälfte davon stirbt in den ersten beiden Lebensjahren. Das sind die schockierenden Zahlen aus dem südostafrikanischen Land.

Die Clinton Foundation hat diese Situation zum Anlass genommen, das „HIV Early Infant Diagnosis Project“ zu initiieren, das vom Gesundheitsministerium Mosambik unterstützt wird. Im Rahmen des Projektes wurde eine Lösung entwickelt, die die drahtlose Übermittlung der HIV-Testergebnisse von Schwangeren sicherstellt. Konzipiert wurde die Lösung von der Sequoia Technology Group, einem britischen Spezialisten für Telemetrie und Wireless-Machine-to-Machine -Module, und dem Anbieter von M2M-Modulen und Services, Telit Wireless Solutions.

M2M-Lösungen, die einen automatischen Datenaustausch zwischen Maschinen ermöglichen, finden sich bereits in vielen Bereichen und Branchen. Sie werden etwa zur Erfassung und Verarbeitung von Echtzeitdaten aus Verkaufsautomaten, Stromzählern, Kraftfahrzeugen oder Geräten zur Fernüberwachung verwendet. Auch in der Medizin werden zunehmend M2M-Applikationen genutzt, zum Beispiel bei der Fernüberwachung von Herzrhythmusstörungen. Indem eine sofortige Analyse und Diagnose der Herzfunktionen auch „remote“ durchgeführt werden kann, müssen Patienten nicht mehr stationär im Krankenhaus bleiben. Das trägt zum einen zu einer Senkung von Gesundheitskosten bei und zum anderen zu einer Steigerung der Lebensqualität von Patienten, die in ihrer gewohnten Alltagsumgebung verbleiben können.

Zentrales Problem bei der frühzeitigen HIV-Erkennung in Mosambik war, dass die regionalen Kliniken in der Regel nicht über die labortechnischen Voraussetzungen für die Analyse von Blutwerten verfügen. Die Tests können lediglich in zwei zentralen Laboratorien erfolgen. Bis die Ergebnisse den einzelnen Kliniken dann zur Verfügung standen, vergingen in der Vergangenheit oft Wochen oder sogar Monate. Das hat in vielen Fällen eine rechtzeitige Einleitung von Behandlungen verhindert und auch zu einer hohen Kindersterblichkeit aufgrund von AIDS-Erkrankungen geführt. Die von der Clinton Foundation an die Projektbeteiligten gestellte Anforderung war deshalb die Bereitstellung einer Lösung, die eine schnelle Kommunikation der Testergebnisse von schwangeren Frauen an die einzelnen Kliniken ermöglicht.

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Eine zentrale Lösungskomponente ist der von Sequoia Technology entwickelte Drucker.; Quelle: Sequoia Technology


M2M-Technologie stellt schnelle Testergebnisübermittlung sicher
Sequoia und Telit haben hierzu ein innovatives System entwickelt, das auf GPRS-Technologien, einem Gateway-Server und Druckern basiert. Ein zentraler Baustein der Lösung ist ein von Sequoia Technology entwickelter kleiner, preisgünstiger Drucker, der das SMS-Protokoll zur Übertragung von Textnachrichten unterstützt und in den Kliniken vor Ort eingesetzt wird. Über das integrierte GC864-Quad-V2-Modul von Telit Wireless Solutions sind die SMS-Drucker mit einem GSM-Gateway verbunden. Das kleine und sehr kompakte GSM/GPRS-Quad-Band-Modul ist speziell für Anwendungen im Bereich Telemetrie und Telematik sowie für Endgeräte zur Datenübertragung, Fernwartung und Fernüberwachung konzipiert. Auf Basis dieser Lösungskomponenten von Telit und Sequoia wurde eine drahtlose Infrastruktur realisiert, über die die zentralen Labors die HIV-Testergebnisse sicher und schnell an die Kliniken versenden. Dies ermöglicht es ihnen, eventuell notwendige Behandlungen kurzfristig einzuleiten. Aktuell nutzen bereits rund 400 Kliniken in Mosambik die auf M2M-Technologie basierende Lösung zur drahtlosen und schnellen Übermittlung von HIV-Testergebnissen bei Schwangeren.

Nick Lidington, Managing Director bei Sequoia Technology, erklärt: „Die meisten Kliniken in Mosambik sind nicht per Auto zu erreichen, verfügen über keinen Postdienst und keinen Festnetzanschluss. Die Herausforderung bestand folglich darin, die einzige zuverlässige Kommunikationsverbindung Afrikas zu nutzen – das Mobilfunknetz. Auf Basis der zuverlässigen, qualitativ hochwertigen Module von Telit ist es uns gelungen, hier eine zukunftsweisende und stabile Lösung zu realisieren. Das haben wir auch in der Pilotphase nachgewiesen, in der wir 100.000 Tests durchführten, ohne ein Datenbit zu verlieren.“

Früherkennung reduziert HIV-Infektionen drastisch
Zentraler Vorteil der neuen Lösung ist, dass bereits in kürzester Zeit nach  Vorliegen der Untersuchungsergebnisse positiv getestete Frauen mit der Einnahme anti-retroviraler Medikamente beginnen können. Durch die frühzeitige Therapie reduziert sich die HIV-Übertragung von der Mutter auf das Kind von zuvor 40 auf weniger als 1 Prozent. Schätzungen gehen davon aus, dass in den ersten sechs Monaten nach Projektstart bei 20.000 Babys eine Mutter-Kind-HIV-Übertragung verhindert werden konnte.

Das in Mosambik überaus erfolgreiche Programm wird aktuell auch in neun anderen afrikanischen Ländern umgesetzt, darunter in Kenia, Botswana, Zimbabwe, Tansania und Uganda.

 

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